Die weiße Moschee am Meer 

(Tooba Qaiser)


Im Mondschein glaubt man fast das Meer verstehen zu können. Einen Hauch seiner Tiefe in sich selbst zu spüren. Als ob sein Rauschen kosmische Geheimnisse offenbart. Seine Wogen wirken wie die Atemzüge der ganzen Erde und seine Reinheit wie das Spiegelbild Gottes. Jegliche Freude stirbt in der kühlen Meeresluft und die warmen Tränen der Trauer erkalten in ihrer Kraft heute Nacht am Meer. Eine gewaltige Urkraft spüre ich in mir sobald die Sterne nachts das Meer zum Funkeln bringen; wie eine Verbindung mit der Urzeit ohne Menschen und mit der Zukunft jenseits des Todes. Ein erfüllender Blick hinweg vom Materialismus und hinein in die Tiefen der göttlichen Realität. Ich spüre eine innige Sehnsucht in mir die Urwahrheit kennenzulernen, die wir zuvor selbst mit unserem Ego unter die Erde der Leidenschaften und Begierden begraben haben. Es ist der Wunsch der beschränkten, physischen Realität zu entkommen, um neue Grenzen der spirituellen Realität im göttlichen Plan zu entdecken. Es ist eine Sehnsucht sich zu färben mit den Attributen des Meisters und in Seiner Liebe seine eigene Existenz zu vernichten. Sie ist fast schon eine Qual, die mich zwingt, meine Hand im Gebet zu erheben, um den Durst nach dem Wein Gottes zu stillen. Eine Sinnsuche, die zuvor gescheitert ist in Wein, Weib und Gesang und der tieferen, inneren Reinheit sowie der Sehnsucht nach hoher Geisteskraft in uns allen entspringt. Unsere Seelen können mystische Erlebnisse aus der tiefsten, göttlichen Realität machen, denn sie sind in sich selbst eine absolute Realität. Ihre Augen können ungesehene Wirklichkeiten wahrnehmen, sowie vor unseren physischen Augen der materielle Kosmos gerückt wird. Der Plan Gottes weilt in der Seele als Muschel mit einer Perle und die Offenbarung Gottes ist der Garten mit Wasserfällen einer solchen Seele, die zuvor den Durst nach dem Schöpfer in gramvollen Gebeten übersetzt hat. 
 
Die klare Nachtluft lädt zum Spazieren ein. Ich suche den Weg, der meiner Seele das Licht der Sterne und das Feuer der Sonne geben soll. Ich will brennen in für mich noch unbekannten Dimensionen der spirituellen Göttlichkeit. Ich will tiefer hinabtauchen in die Realität, anstatt mich von ihr zu entfernen.
Ich will eins sein mit dem Erdenstaub, zu dem meine Rückkehr sein wird. Ich will hinauffliegen zu geistigen Gipfeln, die jenseits der Naturgesetze thronen. Ich will wissen, ob meine nichtige Existenz aus Fleisch und Blut noch eine andere Dimension der Existenz beherbergt, die meine Vorstellungskraft übersteigt und meine Vernunft noch weiter zu schärfen vermag. Ich suche nach einem Glück, dass einem spirituellen Kosmos in mir Geburt geben soll. Mein Fleisch soll diesem Kosmos dienstbar sein und nicht ich dem Fleisch. Ich will verschmelzen mit der Reinheit und Klarheit des Universums und geläutert Sein reines Antlitz erblicken. Ich will mein Fleisch töten, auf dass meine Seele sich an der Milch Gottes laben kann. Ich will nachts die Kerze sein, die meine feurigen Tränen im Gebet zum Brennen bringen.
 
Ich sehe in der Ferne ein weißes Haus, das einsam die Küste an einer gehobenen Stelle ziert und in den stürmischen Wellen des Meeres, die es von unten säumen, erscheint es wie eine besondere Perle, die geheime Kenntnisse über den Meeresgrund in sich beherbergt und ein Geschenk des Meeres an die Menschheit ist. Ich trete näher heran und erkenne, dass das Haus eine Moschee ist. Eine wunderschöne, weiße, menschenleere Moschee. Schweigsam atmet es den Frieden der heutigen Nacht ein und die tränenerfüllten Geschichten aller Gläubigen aus, die hier in Einsamkeit mit Gott weilten und der Welttrunkenheit entkamen. Die Moschee ist die Quintessenz aller Mühen der gesamten Prophetenkette in der Menschheitsgeschichte. Auch heute noch kann man das Weinen des Heiligen Propheten Muhammad (Frieden und Segnungen Allahs seien auf ihn- saw) in dieser Moschee vernehmen. Wenn alle schliefen, kochte nachts sein Blut mit dem Fieber Gottes und seine Tränen, reiner als jedes Wasser dieser Erde, flossen in Stürmen für die Menschheit bis zum Tag des Jüngsten Gerichts. Seine Offenbarungen und Visionen Gottes veränderten bereits zu seinen Lebzeiten eine ganze Nation, die zuvor besessen war von Alkohol, Feiern, Frauen, Gesetzlosigkeit, Begierden und entfremdet war von allen Zweigen des höheren Wissens. Seine Liebe lässt auch heute noch Menschen bitterlich weinen in dieser Moschee, wenn sie nachts die Nähe zu Gott dem Allmächtigen suchen. Mit dem Wasser der Gotteserkenntnis des Heiligen Propheten Muhammad (saw) erloschen die Höllenschreie der misshandelten Frauen und mutige Frauen konnten nunmehr auf Augenhöhe mit Männern disputieren.  Die Tränen und Gebete des Heiligen Propheten Muhammad (saw) brachten Ehrenmänner hervor.  Die weiße Moschee offenbart heute noch das Antlitz der Sonne Arabiens, des Heiligen Propheten Muhammad (saw), dessen spirituelle Schönheit seine Anhänger ihr Leben von Grund auf reformieren ließ. 
Die Verse des Hassan ibn Sabit (ra) hallen auch heute noch im Gebetsraum dieser weißen Moschee, die das Herz aller Muslime wie ein Keil durchbohren: „Du warst die Pupille meines Auges, jetzt wo du gestorben bist, ist mein Auge blind, es kümmert mich nicht, wer jetzt noch stirbt, denn es war nur dein Tod, den ich fürchtete.“
Der süße Klang der arabischen Dichtung, der Offenbarung Gottes an den Heiligen Propheten Muhammad (saw), dirigiert auch heute noch die Herzen jener Menschen, die in dieser weißen Moschee ihre Augen im Licht Gottes tränken wollen.  
Seiner Reinheit Diamanten sind auch heute noch Zierde der Gewänder muslimischer Frauen, die sich auf der Suche nach Gott in dieser weißen Moschee reinhalten wollen von den Schamlosigkeiten einer verirrten, gottlosen Gesellschaft. Sein Schleiergebot befreite Frauen von den Fängen des Körperkults und zwang Männer respektvoll ihre Blicke auf muslimische Frauen zu richten. Die Weisheit hinter dem Schleiergebot des Heiligen Propheten Muhammad (saw) kann man auch heute noch sehen in dieser weißen Moschee, wenn in Einsamkeit im Wasser Gottes die mystische Schönheit der Frau entsteht und sie den physischen Körper neu einkleidet mit dem Licht Gottes. Der Demut Duft des Königs aller Propheten liegt himmlisch in der Luft dieser weißen Moschee, die auch heute noch reiche Menschen in die Knie zwingt und der Armen Stolz ist. Seiner Gebete Wunder sollten die Muslime nach seinem Tod zu Königen und Herrschern der Welt machen, sie buchstäblich baden lassen in Gold und Geld, aber des Propheten wahrer Schatz war der Schweiß des armen Mannes, der ihn herzlich umarmte und welcher in der Liebe und in den Worten des Propheten den Goldwert seiner Armut in den Augen Gottes erkannte. Der Prophet, der die Krone der Schöpfung Gottes war, lehnte kategorisch reiche Gewänder für sich ab und wählte der Armen Tracht. Die weiße Moschee leuchtet noch heute im bescheidenen Gewand des Heiligen Propheten Muhammad (saw), sodass ihre Wände frei von Prunk sind und der Moschee wahre Pracht in den Gebeten und in den Tränen der Gläubigen liegt.
 
Im Gebetsraum der weißen Moschee steht eine kleine Öllampe, deren Licht mit dem Mondlicht verschmilzt, das aus mehreren Fenstern durchscheint. Das Rauschen des Meeres hat hier einen weicheren Ton angenommen, der nun umso tiefer mein Wesen durchdringt. Ich transzendiere allmählich die physischen Mauern meiner Existenz, meine Seele fängt das Licht des Propheten Muhammad (saw) ein, dass durch die Jahrhunderte fließt und meine Seele fängt an zu blühen in den heiligen Tränen seiner Nachtgebete. Meiner Gebete Flammenfeuer vereint sich mit dem Licht Gottes und diese Vereinigung bringt Rubinen und Diamanten hervor, die als Offenbarungen Gottes meine Seele schmücken. 
Diese Steine Gottes rücken meinen Geist in neue Dimensionen jenseits von Zeit und Raum und auf dem Gebetsteppich mache ich eine spirituelle Reise zum Tor der Zukunft verziert mit dem Wort Gottes. Ich ertrinke tief im Meer meiner Seele und entdecke dort das heilige Buch Gottes, dessen Siegel die Wahrhaftigkeit der Propheten Gottes ist und das in mir das Antlitz Gottes derart einbrennt, sodass der materielle Kosmos von nun an verblasst erscheint. Meiner Tränen Bäche zeigen mir den Jüngsten Tag, der meinen Augen spirituellen Glanz verleiht und meinem Wesen Todesklang im Diesseits schenkt. Meiner Liebegram Pfeile fallen nieder vor den Füßen des Heiligen Propheten Muhammad (saw) und seiner Gebete Macht darf meine demütige Seele Zeuge werden. 
Die Moschee ist erfüllt mit dem Duft Gottes, der den spirituellen Rosen meiner Gebete entstammt. Geschenke macht Er mir aus der unbekannten Vergangenheit und aus der Zukunft, die tief verborgen in der subtilen Realität meiner Seele liegt. Er lässt mich fliegen im Paradies meiner eigenen Seele und Er lässt meinen Geist wandeln auf den Pfaden Seiner Schönheit, die meiner Lobpreisungen Lohn sind. 
Erfrischend wie das Meer wirkt das Zwiegespräch mit Gott. Kühl wie Meeresluft sind die Atemzüge in Gott. Geheimnisvoll wie der Meeresgrund sind die Erkenntnisse vom Freund Gottes. Wie die weiße Moschee wird sein Leib zum Haus Gottes, das auf das Wasser der Offenbarung Gottes steht. Die weiße Moschee ist gemacht für die Ewigkeit. Sie wird belebt durch den Strom der ewigen Gotteserkenntnis verbreitet durch die Schwerter der Propheten Offenbarungen. Die weiße Moschee ist die Quintessenz eines wahren sinnerfüllten Lebens.