Die Lebensentscheidung: Für oder gegen Gott?

(Tooba Qaiser)


Ich sitze im Wohnzimmer, am Kaminfeuer, alleine in meinem Haus, dessen Leere am Abend eine düstere und zugleich besinnliche Stimmung preisgibt. Aus dem Fenster sehe ich, wie der nichtendende Schneesturm Minute für Minute, Stunde für Stunde eine göttliche Stille kreiert, Trost spendet den vom Welteifer ermüdeten Augen und mit seiner Eiseskälte den Geist wachküsst aus der Welttrunkenheit. Das sind goldene Momente, die sowohl erhabene Meisterwerke schaffen als auch den Geist vernichten können. Eine Gratwanderung zwischen Seelenglück im spirituellen oder Existenzkrise im nihilistischen Kosmos. Eine Klippe am Abgrund zur Selbstvernichtung im Strudel der Weltverlorenheit oder ein Blick empor zu den Sternen bestehend aus göttlichen Dimensionen, spürbar in den tiefsten Winkeln des eigenen Herzens und der Seele. Eine musikalische Reise hin zur Komposition einer individuellen, himmlischen Lebenssinfonie oder die Aneinanderreihung von Egodissonanzen auf der Suche nach Glück ohne Gott. Eine Entscheidung zwischen verfeinertem, göttlichem, mit der gesamten Natur kohärentem Seelenspiel oder zutiefst mechanischem Körperkult. Das alles bedeutet für mich die existenzielle Lebensentscheidung: Für oder gegen Gott?


Langsam gibt der abendliche Kaffee den Synapsen in meinem Kopf den tosenden Sturmwind, der draußen aus meinem Fenster meine Augen so gefesselt hält. Ein Leben ohne Gott. Ich stelle es mir mal bildlich vor. Sofort wäre die Kerze, die meiner Seele loderndes Liebesfeuer, meinem Wesen Ausstrahlung und meinen Atemzügen göttliches Licht in Form ständiger Andacht Gottes gibt, ausgelöscht. Die tiefsten Empfindungen der seligen, platonischen Liebe und ihr äußerstes Maß an Selbstlosigkeit, die der wahren Liebe überhaupt Form gibt, würden an die Mächte des selbstsüchtigen Kapitalismus verloren gehen, der selbst in der Liebe den Menschen bloß als Werkzeug zur Maximierung des persönlichen Glücks missbraucht. Glück, das bis jetzt für mich die Vereinigung mit dem Schöpfer des Universums im Zusammenspiel mit geistigen Freuden, das Wachstum der Seele und der Dienst an der Menschheit bedeutet hatten, müsste ich jetzt an allem Vergänglichen um mich herum festmachen. Der innige Wunsch zur ständigen, selbstlosen Praxis von Tugenden und der Drang zur äußersten Egoüberwindung, die dem tiefen, spirituellen, göttlichen Funken entspringen, wären ohne Gott demontiert zur Aufrechterhaltung von sozialen Gefügen und Netzwerken, nur selten gänzlich frei vom Ego. 


In meinen Augen werden besonders rechtschaffene Taten von Gott mit der höchsten Glückseligkeit belohnt, die sich in der Seele des Menschen manifestiert und kann mit keinem weltlichen Glück verglichen werden, sei es Reichtum, der teuerste Urlaub oder ähnliches, dessen Freuden den Menschen von außen nach innen erreichen und nicht von innen heraus.

Mit Gott bringen meine selbstlosen, rechtschaffen Taten den Garten meiner Seele zum Erblühen. Ohne Gott hingegen, würden meine guten Taten an der physischen Mauer meiner Existenz abprallen. Sie würden mir einen kurzen Kick geben, durchaus eine positive Bereicherung meines Lebens darstellen, aber sie würden nie die tiefsten Dimensionen meiner seligen Existenz erreichen und sie bereits im Diesseits in den Garten Eden verwandeln.


Der spirituelle Kosmos, der durch die Existenz von Seelen eine fundamentale Wirklichkeit darstellt und in welchem die schmerzerfüllt gesprochenen Gebete wie Grundkräfte wirken, wäre dem gefühlskalten Materialismus gewichen, in dem den Körperfreuden wie einem Gott gehuldigt wird. Der Tod, der für mich einen Übergang darstellt, der für das weitere Wachstum meiner Seele den physischen Körper verlassen muss, wäre ab sofort ein Angstthema, da er mich von allem, was meine gottlose, beschränkte, materialistische Wirklichkeit darstellt, abschneiden würde. Für Menschen, die im Diesseits sich mit Gott vereinen durften, ist der Tod eine metaphorische Hochzeit mit Gott. Da er bereits im Diesseits Gott mit seinen subtilen Sinnen in seiner Seele gesehen hat, freut er sich eine neue Dimension der absoluten Schönheit Gottes nach dem Tod sehen zu dürfen. 


Sehr oft im Leben würde ich das Gefühl haben, dass schleichend, aber doch gravierend meine Existenz für mich zu einer Last wird und ich in den Vergnügungen um mich herum hilflos nach Zerstreuung suchen müsste. Schließlich wäre meine Existenz dann nur noch einem sinnlosen Zufallsprinzip geschuldet, das vor meinen Augen immer wieder erbarmungslos die Würfel des unberechenbaren Leids und des drogenähnlichen Glücks werfen würde. Denn selbst meine immensen Bemühungen stellen am Ende nur eine vom Zufall bestimmte Variable in der  nicht kalkulierbaren Lebensgleichung dar. Sollte ich unfairer Weise zu viel Leid abbekommen haben als meine Mitmenschen, wäre eine allmähliche innere Verbitterung und Neid gegenüber anderen Menschen, die vielleicht mehr Glück im Leben hatten, die unvermeidliche Konsequenz. Die Lebenslösung ohne Gott würde neben dem ganzen physischen Leiden zusätzliches, seelisches Leid hinzufügen. So sinnlos wie meine Existenz mir dann erscheinen würde, so absolut wäre doch mein Wunsch diesem sinnlosen Spiel so viel Freude und Spaß wie nur möglich abzugewinnen. Ich würde also in einem, die Seele zerreißenden, vom Zufall dirigierten Konkurrenzkampf mit meinen Mitmenschen nach so viel Spaß, Karriere, Macht, Status, Geld und so wenig Leid wie denn nur möglich antreten. Ein zutiefst eitler und nichtiger Kampf, der in Maßen natürlich sehr wichtig ist, aber als absoluter Zweck des menschlichen Daseins wieder nur an den physischen Mauern unseres Dasein abprallt. 

Leid stellt in diesem nach dem menschlichen Ego gerichteten Lebensspiel nur einen in jeder Hinsicht zu verachtenden Störfaktor dar.

Und doch vergessen wir schnell, dass wir alle leiden und weinen, wenn wir auf die Welt kommen, der erste große Schritt zur Horizonterweiterung und Bewusstseinserweiterung. Wir vergessen, dass unsere physische und intellektuelle Evolution ohne Leid überhaupt nicht möglich gewesen wäre. Als Gottgläubige weiß ich daher mit absoluter Sicherheit, dass meine spirituelle Evolution mit einer gleichermaßen einhergehenden Bewusstseinserweiterung ebenfalls ohne Leid nicht möglich ist. Wie Regen, der die Erde zum Blühen bringt, so sorgen Tränen, wenn man sie vernünftig kanalisiert, für das Wachstum und das Erblühen der Seele.  Sowie das Sonnenlicht vom Regenwasser in einen wunderschönen, farbigen Regenbogen gebrochen wird, so lassen Tränen von Vernunft geleitet einen spirituellen Regenbogen in meiner Seele entstehen und schenken mir eine Horizont- und Bewusstseinserweiterung im Lichte meiner Beziehung zum Schöpfer des Universums. 

Diesem höheren Ziel menschlichen Werdens, nämlich der Erleuchtung, Horizont- und Bewusstseinserweiterung hinsichtlich der Existenz Gottes, ist  für mich die gesamte Schöpfung mit all ihren schönen und unschönen Facetten untergeordnet.


Da ich weiß, dass ich eine spirituelle Beziehung zum Schöpfer des Universums habe, die die physische Welt nicht nur transzendiert, sondern sie gewissermaßen dirigiert, habe ich am Leid durch die vergängliche Welt um mich herum nicht wirklich was verloren, sondern vielmehr immensen Seelenreichtum und spirituelle Diamanten gewonnen. Ich bin in dieser Welt, aber nicht von dieser Welt. Ich lebe hauptsächlich von innen heraus und nicht von außen nach innen.

Eine innere, göttliche Freude schmückt mein ganzes Dasein und eine göttliche Ausstrahlung gibt mir einen besonderen Genuss an der gesamten Schöpfung um mich herum und an allen meinen Mitmenschen. Ein Gottgläubiger wird seine Zeit sowohl in Glück als auch in Leid voll ausnutzen, da die Freuden der Seele und der individuellen Bewusstseinserweiterung im Kontext mit Gott nicht primär an den Ketten der physischen Welt und ihrer Leiden gefesselt sind.

Im Spiegel all meiner selbstlosen Bemühungen, Gebeten und Taten möchte ich das Antlitz Gottes sehen. Ich habe einen ständigen Durst danach mehr über das Wesen zu erfahren, Der das gesamte, unergründliche Universum mit all seinen Geheimnissen und Naturwundern geschaffen hat, die selbst doch nur einen Hauch Seiner absoluten Schönheit preisgeben.


Ich atme tief ein. Der Schneesturm hat aufgehört. Die Nacht hat ihren mit Sternen glitzernden Vorhang der Dunkelheit über die Straßen, den Wiesen,  den Flüssen bis hinein in mein Wohnzimmer fallen gelassen. Ich muss kurz lächeln. Die Leute spüren Liebe, Trauer, Zorn, Freude und verstehen die anderen Menschen, die diese Gefühle ebenfalls kennen. Ich spüre Gott. Er ist das ständige, lodernde Feuer meiner Seele, Dem jeder meiner Atemzüge gewidmet ist, die schon lange den Klang einer himmlischen Sinfonie angenommen haben. Nicht nur mein Körper atmet, sondern meine Seele atmet ebenfalls wegen Gott, das ich spüre. Seine Liebe und Seine Barmherzigkeit durchdringen mein Wesen wie ein Keil, der mit keiner Verliebtheit oder anderen menschlichen Formen der Liebe verglichen werden kann. Er ist mir näher als meine Halsader und Sein Antlitz thront ständig vor meinen geistigen Augen. Die Ehrfurcht vor Ihm ist der Gipfel meines Geistes, Dessen Macht mein ganzes Wesen zum Beben bringt. Ich glaube schon lange nicht mehr an Gott, weil ich weiß, dass es einen Gott gibt, weil ich ihn 10 Jahre meines Lebens erfahren und kennengelernt habe. Meine Erfahrungen, die viele Gottgläubige sofort nachvollziehen werden, da ihre Erfahrungen mit Gott nicht viel unterschiedlicher sein können als meine. Wir wissen, wie es sich anfühlt, wenn der Schöpfer des Universums deine Taten belohnt und deine Gebete erhört. Wir wissen, was die Zufriedenheit des Herzens ist und was das Paradies der Seele bedeutet. Wir wissen, was die geistige Welt ist, was Gebetserhörungen, Offenbarung Gottes und Wahrträume wirklich bedeuten. Wir freuen uns sehr, weil wir eine Beziehung zu unseren Liebsten und Freunden haben und sie regelmäßig sehen und mit ihnen sprechen dürfen. Wie viel glücklicher müsste ich dann sein, die eine immerwährende Beziehung zum Schöpfer des Universums hat, Der Sich mir jeden Augenblick im neuen Glanz offenbart und mir einen ständigen, inneren Genuss gibt? Ich weiß, dass Er mich liebt, ich weiß, dass Er Allhörend ist, wenn ich mit Ihm, meinem besten Freund, in Gebeten sprechen möchte, Ihm meine Liebe bekunden, Ihn lobpreisen oder Ihm meinen Gram dartun möchte. Wenn ich Ihn um etwas bitten möchte oder aus tiefstem Herzen beten möchte für meine Mitmenschen, weiß ich, dass Er mir zuhört. Er gibt mir Antwort, sei es in Form von Offenbarung oder Wahrtraum oder durch die Aktvierung einer Kausalkette von Ereignissen, die zur Erhörung des Gebets führen soll. Ich lade dich ein diese Welt ebenfalls für dich zu entdecken. Die tieferen Dimensionen der Realität zu erforschen, statt den Geist und die Seele in den Illusionen dieser Welt zu verschwenden und zu zerstören. Überdenke die alles entscheidende Frage des Lebens noch einmal. Und dann frage dich: Wie soll ich mich entscheiden? Für oder gegen Gott?